Vielleicht kennst du das: Du willst schreiben, aber irgendetwas hält dich zurück. Der Kopf ist voller Zweifel, und der leere Bildschirm scheint dich auszulachen. Diese Angst vorm Schreiben kann unglaublich lähmend sein, besonders, wenn du eigentlich so viel zu sagen hast. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Schreibblockaden Schritt für Schritt überwindest, wieder in den kreativen Schreibfluss kommst und mit mehr Leichtigkeit schreibst.
Die Angst vorm Schreiben
Die Angst vorm Schreiben treibt selbst die erfahrensten Texter*innen um. Ich bin immer wieder überrascht, dass es nicht nur mich, sondern auch andere Menschen betrifft, die seit Jahrzehnten erfolgreich im Textbusiness unterwegs sind. Richtig erfolgreich. Judith Peters hat in diesem Zusammengang den wunderbaren Begriff Content-Ängst geschaffen, der die Angst vor Sichtbarkeit beschreibt. Auch die ist oft ein Grund für Schreibblockaden.
Die Ängste und Zweifel, die beim Schreiben aufkommen, können vielfältig sein:
- Zweifel an den eigenen Textkünsten
- Angst vorm leeren, weißen Blatt
- Die Frage, ob das eigene Geschreibsel überhaupt jemanden interessiert
- Die Angst, dass jemand das Geschriebene liest
Was steckt hinter der Angst vorm Schreiben?
Jede*r von uns hat ihre*seine eigenen Geister. So viel ist sicher. Die Angst vorm Schreiben bzw. Veröffentlichen ist oft die Angst vorm Versagen und vor Ablehnung. Das habe ich mehrfach selbst erlebt und gehört. David und Tom Kelley schreiben dazu in ihrem Buch „Kreativität und Selbstvertrauen: Der Schlüssel zu Ihrem Kreativbewusstsein“:
Unserer Erfahrung nach ist (…) die größte Angst, die Angst zu versagen. Sie kann sich in der Angst ausdrücken, beurteilt zu werden, mit etwas anzufangen oder sich Unbekanntem zu nähern. Und auch wenn schon viel über Versagensangst gesagt und geschrieben wurde, stellt sie doch noch immer das größte Hindernis für erfolgreiche Kreativität dar.
David und Tom Kelley, Kreativität und Selbstvertrauen, S. 59.
Beim Schreiben schon Angst vor der Beurteilung haben: Das kann nur schiefgehen. Denn es verhindert freies Denken und Ausprobieren – eine Grundvoraussetzung für Kreativität.
Wir sollten beim Schreiben direkt an unsere Leser*innen denken. Wir sollen sie uns sogar mit ihren Sorgen und Wünschen konkret vorstellen, schließlich wollen wir sie mit unseren Worten in der Tiefe ihres Herzens erreichen. So weit, so richtig. Was sich jedoch ganz und gar nicht empfiehlt: Die kritischen Gesichter von Erna und Ernst vor sich zu sehen, während man versucht, die richtigen Worte für einen Text zu finden. Denn die Angst, dass Erna und Ernst den Text lesen, kann uns davon abhalten, ihn zu veröffentlichen oder gar ihn zu schreiben.
Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich hab’s trotzdem getan und so mein Studium um ein Semester verlängert. (Die Kurzversion: Ich habe die zwölf Seiten meiner Magisterprüfungsklausur zerrissen, weil ich Angst hatte, dass mein Professor die Klausur liest.)
Ich möchte mich von dieser Angst vorm Schreiben und Lesen nicht mehr abhalten lassen. Für den Moment, wenn die Angst mich einholt, habe ich mittlerweile Strategien entwickelt, um ins Schreiben zu kommen. Vielleicht helfen diese Tipps auch dir.

„Bitte vergiss nie: Keine Angst der Welt ist es wert, dass du deine Gedanken nicht teilst. Unsere Welt braucht die vielen verschiedenen Perspektiven auf das Leben. Auch deine. Nimm dir ein Herz, greife zum Stift und leg los.“
Schreibblockaden überwinden: Diese 7 Tipps helfen wirklich
- Tu so, als würdest du für deine beste Freundin schreiben. Stell dir vor: Sie sitzt vor dir, lächelt, nickt. Sie gibt dir ein, zwei Verbesserungstipps, aber ermutigt dich, einfach weiterzuschreiben.
- Merke dir: Keine (Text-)Idee ist je final. Nie. Nie. Nie. Dazu gibt es sogar ein Buch: The Talks – No Idea Is Final: Quotes from the Creative Voices of our Time von Sven Schumann und Johannes Bonke. Und wenn sie es trotz dieser Erkenntnis geschafft haben, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen, dann schaffst du das auch.
- Mach dir deine Lieblingsmusik an. Bei mir ist das zum Schreiben der sanfte Max Richter, manchmal auch die poetische Lina Maly. Und wenn es ganz schwierig wird, dann kommt „Trouble is“ von Helgi Jonsson auf die Ohren.
- Drei Schreibende, drei Texte. Egal wie viel Mühe du dir gibst, andere Texter*innen betexten ein und dasselbe Thema anders. Das gilt übrigens auch für andere kreative Bereiche. Und das ist auch gut so. Sonst hätten etwa die Impressionisten nicht so herrlich unterschiedliche Bilder von Blumenwiesen für die Nachwelt erschaffen.
- Lass eine gute Seele drüberlesen. Gib deinen Text einem Menschen zu lesen, dem du vertraust. Das kann eine andere Texterin sein oder eine fachfremde Person. Wichtig ist, dass sie dir gegenüber wohlgesonnen, aber auch kritisch ist. So kannst du entspannt schreiben und hast gleichzeitig die Gewissheit, dass eine Korrektur erfolgt.
- Vier gewinnt: Gut ist gut genug. Es muss nicht immer die Eins plus sein, es kann auch eine Vier sein. Das habe ich nach meiner zerrissenen Magisterprüfungsklausur verstanden. Für meine Wiederholungsklausur war das Motto: Vier gewinnt.
- Verlasse deinen Schreibtisch. Sofort. Geh vor die Tür, rufe nette Menschen an und streichle deine Seele. Lass dir dabei helfen, diese Angst vor den Lesenden zu relativieren. Denn so böse wie du in dem Moment denken magst sind sie nicht.
Mini-Schreibübungen bei Schreibblockaden
Manchmal hilft kein Ratgeber und auch keine 7 Tipps, sondern einfach, es zu tun. Mit Schreiben loszulegen. Wenn du gerade gar nicht weißt, wie du anfangen sollst, können diese drei Schreibübungen helfen, den Knoten im Kopf zu lösen. Sie nehmen den Druck raus und bringen dich in Bewegung.
Schreibe dich frei (5‑Minuten-Flow)
Stell dir einen Timer auf fünf Minuten und schreibe einfach alles auf, was dir in den Kopf kommt. Egal, ob es Sinn ergibt oder nicht. Diese Methode trainiert dein Unterbewusstsein darauf, deine Gedanken wieder fließen zu lassen – perfekt, um ins Schreiben zu kommen.
Verfasse einen Brief an deine Angst vorm Schreiben
Nimm dir einen Tee, setz dich hin und beginne mit den Worten: „Liebe Schreibangst, ich weiß, dass du mal wieder zu Besuch bist…“ Du kannst auch schreiben: „Liebe Erna, lieber Ernst, ihr seid ja mal wieder zu Besuch …“ So fange ich diese Briefe oft an. Du wirst überrascht sein, wie viel Druck sich löst, wenn du deine Angst einfach einmal ansprichst.
Nutze Satzanfänge als Starthilfe
Setze dich vor ein Blatt Papier und schreibe kurze, einfach Satzanfänge wie diese:
– „Heute möchte ich über … schreiben, weil …“
– „Ich erinnere mich an den Moment, als …“
– „Wenn ich ehrlich bin, dann …“
Du magst es kaum glauben, aber diese kleinen Anfänge wirken oft Wunder, um wieder ins Schreiben zu kommen.
So löst du den Druck, perfekt schreiben zu müssen
Das größte Hindernis beim Schreiben ist oft der Anspruch, dass alles sofort perfekt sein muss. Vielleicht kennst du diesen inneren Kritiker, der schon beim ersten Satz flüstert: „Das klingt nicht gut genug.“ Genau dieser Gedanke blockiert dich – und lässt dich zweifeln, bevor du überhaupt angefangen hast.
Um diesen Druck zu lösen, darfst du dir erlauben, unperfekt zu schreiben. Sieh den ersten Entwurf als Rohdiamanten – noch ungeschliffen, aber voller Potenzial. Kein Text entsteht in einem einzigen perfekten Wurf. Selbst erfahrene Autor*innen überarbeiten ihre Texte mehrfach.
Ein kleiner Trick: Schreibe absichtlich schlecht. Setze dir ein Zeitlimit von fünf Minuten und schreibe einfach drauflos – ohne zu löschen, ohne zu denken. Oft entsteht dabei genau das, was du so lange gesucht hast: Echtheit.
Wenn du merkst, dass der Perfektionismus dich wieder einholt, erinnere dich daran: Schreiben ist ein Prozess. Dein Text muss dich nicht beweisen – er darf dich einfach ausdrücken. So löst du den Druck, perfekt schreiben zu müssen, und kommst Schritt für Schritt in einen freien Schreibfluss.
Podcast-Empfehlung bei Schreibblockaden: Schreiben & Schreddern
Anderen Menschen zuzuhören, wie auch sie strugglen, kann heilsam sein. Besonders empfehlen möchte ich dir den Podcast Schreiben & Schreddern von und mit Marc-Uwe Kling. Heilsam und lustig. Zu Gast waren schon Sebastian Fitzek, Luisa Neubauer und viele mehr. Andere über ihre Struggles und ihre Strategien reden zu hören, sorgt bei mir dafür, dass sich Schreiben wieder leichter anfühlt. We are in this together. Ich lieb’s sehr. Du ja vielleicht auch.
Jetzt interessiert mich aber: Kennst du diese Angst? Und wenn ja: Was sind deine besten Tipps, um ins Schreiben zu kommen?















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